Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Die Geburt der Vereinigten Staaten von Amerika

Am 30. April 1789 wurde George Washington auf dem Balkon der Federal Hall von New York feierlich als einstimmig gewählter erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika angelobt. Er schwor seinen Amtseid mit der linken Hand auf seinem Herzen, küsste die Bibel und verbeugte sich vor dem jubelnden Volk. George Washington betrat politisches Neuland, und sein Führungsstil sollte für jeden weiteren amerikanischen Präsidenten prägend sein. Die Parteifarbe, zu der er sich bekannte, war die liberale, republikanische, föderalistische, und er begann, Positionen nur noch an Männer mit "gesunden politischen Ansichten" zu vergeben - eine Vorgangsweise, die Parteibuchbeamtentum genannt wird und später perfektioniert werden sollte.

Während dieses ersten Jahres der Vereinigten Staaten von Amerika bahnte sich in Europa die Französische Revolution an, der Kampf für bürgerliche Freiheitsrechte und gegen den feudalabsolutistischen Staat. Washington stand diesen Entwicklungen skeptisch gegenüber, er meinte, die Neuerungen würden in Frankreich zu hastig vorangetrieben. Er selbst war zwar zutiefst überzeugt vom amerikanischen Ideal der Freiheitsliebe, empfand den französischen Zugang jedoch als Übersteigerung davon und wollte diesen von seinem eigenen Land fernhalten. Während seiner Amtszeit legte er die Allianz mit Frankreich auf Eis (was bis zum Kalten Krieg auch so blieb), hingegen taute er mittels eines Freundschafts- und Handelsvertrags mit der britischen Monarchie - die ihrerseits einen erbitterten Krieg mit der neu entstandenen Französischen Republik führte - das amerikanisch-britische Verhältnis auf. Bereits zu dieser Zeit war die Außenpolitik Amerikas ein ideologisches Anliegen.

Nach zwei Amtszeiten, also acht Jahren, trat der bisherige Vizepräsident John Adams am 4. März 1797 die Nachfolge George Washingtons an. Bis heute wird an jedem 22. Februar (seinem Geburtstag) im Senat und im Repräsentantenhaus das Lebewohl des ersten Präsidenten, die sogenannte "Farewell Address", verlesen. Washington betonte, die Freiheitsliebe sei mit jeder Faser der amerikanischen Herzen verwoben und die einheitliche Regierung als grundlegender Bestandteil der Unabhängigkeit sei dem Volk nun ebenso teuer und stehe für Frieden, Sicherheit, Wohlergehen und eben Freiheit. Und weiter:

Die Bezeichnung Amerikaner, die euch als Nation zukommt, muss immer den berechtigten vaterländischen Stolz erhöhen, mehr als irgendeine Berufung auf örtliches Verschiedensein. Mit geringen Unterschieden habt ihr die gleiche Religion, die gleichen Sitten, Gewohnheiten und politischen Grundsätze. In gemeinsamer Sache habt ihr zusammen gekämpft und gesiegt; die Unabhängigkeit und Freiheit, die ihr besitzt, sind das Werk gemeinsamer Beratungen und Anstrengungen, gemeinsamer Gefahren, Leiden und Erfolge.

Zu den dreizehn Gründungsstaaten der USA - Connecticut, Delaware, Georgia, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina und Virginia - kamen während Washingtons Amtszeit bereits drei neue Bundesstaaten hinzu: Vermont (1791), Kentucky (1792) und Tennessee (1796).
Rund hundert Jahre später, am Ende des 19. Jahrhunderts, reichte US-Amerika bereits vom Atlantik bis zum Pazifik; heute leben etwas mehr als 303 Millionen EinwohnerInnen auf rund 9,8 Millionen Quadratkilometern in 50 Bundesstaaten.

In den ersten Jahrzehnten der neuen Vereinigten Staaten von Amerika bestand ein großer Gegensatz zwischen den Nord- und den Südstaaten - der Norden stand für Puritanismus, Demokratie, Fortschrittlichkeit und Industrialisierung, der Süden für Aristokratie, Konservativismus, Agrarwirtschaft, Großgrundbesitz und Sklavenhaltung. Die Kluft zwischen den beiden Gegensätzen wurde immer größer. 1860/61 kehrten elf Südstaaten der Union den Rücken und gründeten die Konföderation. Nun begann der Sezessionskrieg, der vier Jahre andauerte und eine halbe Million Todesopfer forderte, bis schließlich die Südstaaten wieder der Union angegliedert wurden. Der amtierende Präsident, Abraham Lincoln, sagte 1863, seine Hoffnung für Amerika sei: "dass diese Nation unter Gottes Fügung zu neuer Freiheit geboren werde und dass die Herrschaft des Volkes durch das Volk und für das Volk nicht von dieser Erde verschwinde".

Nach dem Sezessionskrieg (1865) wurden Sklaverei und Zwangsarbeit abgeschafft, fünf Jahre später hieß es in einer Verfügung, das Wahlrecht dürfe "nicht aufgrund von Rassezugehörigkeit, der Hautfarbe oder des vormaligen Dienstbarkeitsverhältnisses versagt oder beschränkt werden"; Frauen durften jedoch erst ab 1920 wählen. 1964 wurde festgelegt, dass das Wahlrecht nicht "aufgrund eines Wahl- oder anderen Steuerversäumnisses" versagt oder beschränkt werden dürfe. Ein Recht auf Arbeit und ein Streikrecht sind in der amerikanischen Verfassung nicht verankert, und in der Realität gibt es weiterhin Ungleichheiten und Benachteilungen wegen "Rassenzugehörigkeit" und Hautfarbe, d.h. bis heute werden Grundrechte angetastet.

George Washington hatte die wirtschaftliche und außenpolitische Abschottung Amerikas zwar zum Grundsatz gemacht, allerdings entsprach dieser spätestens im 20. Jahrhundert nicht mehr den amerikanischen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen. Unter Präsident Woodrow Wilson zogen die USA in den Ersten Weltkrieg gegen die mitteleuropäischen Monarchien und für das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Franklin Delano Roosevelt führte sein Land in den Krieg gegen Nationalsozialismus und Faschismus und betonte, dies für den Frieden zu tun, damit "alle Menschen in allen Ländern ihr Leben in Freiheit ohne Furcht und Mangel leben können." Darauf folgte der Kampf gegen den vordringenden Kommunismus, an dessen Spitze die Präsidenten Harry S. Truman und später Dwight D. Eisenhower standen. John F. Kennedy kombinierte Machtpolitik und Weltmission in Form eines alten Idealismus und eines neuen Realismus. Unter den US-Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford sowie dem Außenminister Henry Kissinger erfolgte eine Entkoppelung von Außenpolitik und Ideologie, während der Fokus auf das nationale amerikanische Eigeninteresse gelegt wurde. Anfang der 1970er Jahre erschütterten die Watergate-Affäre (d.h. einige gravierende Missbräuche von Regierungsvollmächten, die Präsident Nixon zum Rücktritt zwangen) sowie der Vietnamkrieg das amerikanische Selbstverständnis, das 200 Jahre zuvor von George Washington geschaffen worden war.

Im Wahlkampfjahr 1976 besiegte Jimmy Carter den damaligen Machtinhaber Gerald Ford und wurde der 39. Präsident der USA. Das immer noch erschütterte Vertrauen US-Bevölkerung nach der Watergate-Affäre und dem Vietnamkrieg erschwerten Carter seinen Start. Mit seinem Slogan "I will never lie to you" wollte er Kompetenz, Integrität und das Gefühl eines Neuanfangs vermitteln. In seiner Amtszeit erreichte er, dass die Wirtschaftspolitik erfolgreicher und die Haushaltspolitik stabiler wurde. Das bis heute bestehende Friedensabkommen von Camp David zwischen Israel und Ägypten wurde unter Jimmy Carter beschlossen. Er rief zur Achtung der Menschenrechte in der ganzen Welt auf. In seiner Amtszeit gab es keinen Skandal, keinen Amtsmissbrauch und keine persönliche Bereicherung. Carters Nachfolger Ronald Reagan war sehr beliebt bei der US-amerikanischen Bevölkerung, da "er sein Land mit Stolz und Optimismus erfüllte".

Im Jahr 2000 wurde George W. Bush zum 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, in dessen Amtszeit es zu einer der ersten längeren Wirtschaftswachstumsphasen seit dem Zweiten Weltkrieg kam, obwohl das Defizit im Bundeshalt immer größer wurde. Auch die Enthüllung geheimer Waffenverkäufe an den Iran konnte Reagans Popularität nicht trüben, von der auch sein Nachfolger George Bush profitierte. Zwischen den Amtszeiten des 51. US-Präsidenten George Bush und der seines Sohns George W. Bush hatte Bill Clinton von 1993 bis 2001 das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten inne. Bill Clinton war einer der jüngsten Präsidenten in der Geschichte der USA. Mit dem Ende seiner zweiten Amtszeit hatte er es geschafft, die Bundesfinanzen zu sanieren und die Arbeitslosigkeit zu senken. Die von ihm gewünschten Reformen im Sozialsystem konnte er allerdings nicht durchsetzen. Eine derartige Reform wurde von US-Bundespräsidenten Barack Obama im Jahr 2010 erreicht. Seit dem Jahr 1820 war es das erste Mal, dass zwei Präsidenten hintereinander zwei Amtszeiten absolvierten, wie es bei Bill Clinton und seinem Nachfolger George W. Bush der Fall war. Bushs Präsidentschaft war geprägt durch die Terrorattacken des 11. September 2001, die nur ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt die US-amerikanische Bevölkerung und die ganze Welt erschütterten.

Im Namen der "nationalen Sicherheit" verlangte das Weiße Haus ein größtmögliches Maß an Handlungsfreiheit nach innen und nach außen. Diese Ansprüche wurden durch das tiefe Gefühl der Verwundbarkeit in der US-amerikanischen Bevölkerung begünstigt. Obwohl das Terrornetzwerk Al-Quaida für die Ereignisse des 11. September 2001 verantwortlich gemacht wurden, waren die Angreifer größtenteils "unsichtbar". US-Präsident George W. Bush setzte die Ereignisse mit einer "Achse des Bösen" in Verbindung, unter der er Staaten wie den Iran, den Irak und Nordkorea verstand, denen er die Unterstützung des internationalen Terrorismus vorwarf. Nachdem er bereits mit der Bombardierung Afghanistans begonnen hatte, verkündete er den "Krieg gegen den Terror" und beanspruchte das Recht, auch vorbeugend gegen derartige Gefahren vorzugehen und somit Präventivkriege führen zu können. Mit den Worten: "When it comes to our security, we really don‘t need anybody's permission", verkündete er den Angriff auf den Irak, dessen Regierung er die illegale Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und die Verbindung zum Al-Quaida-Terrornetzwerk vorwarf - trotz UN-Resolution. Seine Vorgangsweise im "Krieg gegen den Terror" brachte ihm scharfe Kritik sowohl im In- als auch im Ausland ein. Unter seinem Vater George Bush hatten sich die USA im Zuge der "Operation Desert Storm" mit Unterstützung der UNO eingemischt, als Iraks Dikator Saddam Hussein Kuwait angriff. Der Erste Irakkrieg forderte mit seinem Ende 1991 hohe Verluste auf beiden Seiten und Saddam Hussein blieb an der Macht. Der Sturz Saddam Husseins erfolgte mit der Beendigung des Zweiten Irakkriegs im Jahr 2003. Die angegebenen Gründe, unter anderen die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen, konnten jedoch nicht bewiesen oder bestätigt werden, stattdessen wurde der Krieg im Irak vielfach als Bruch des Völkerrechts gesehen. Wechselnde Erfolge prägten die anderen politischen Bereiche während der Präsidentschaft von George W. Bush.

Im Wahlkampf 2008 wurde der erste Präsident mit afroamerikanischen Wurzeln ins Weiße Haus gewählt: Barack Obama, in den viele WählerInnen ihre Wünsche und Hoffnungen projizierten.