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"Obama Care"

Die Reform des Gesundheitssystems in den USA wurde im März 2010 Gesetz. Verabschiedet wurden der Patient Protection and Affordable Care Act sowie der Health Care and Education Affordability Reconciliation Act of 2010. Ersterer, der in den USA auch "Obama Care" genannt wird, enthält die wesentlichsten Punkte, deren Umsetzung als neuer US-Präsident Obama in seiner Wahlkampagne versprochen hatte:
Krankenversicherungen dürfen keine PatientInnen mehr aufgrund von Vorerkrankungen ablehnen und haben die Pflicht, die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen zu übernehmen, ohne zusätzliche Versicherungskosten zu verrechnen. Neben einer gesetzlichen Transparenzverpflichtung der Bilanz von Versicherungen, ist es diesen nicht mehr erlaubt, für Kinder einen höheren Versicherungsbeitrag aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte zu verlangen. Um kleineren UnternehmerInnen bei der Krankenversicherung ihrer MitarbeiterInnen finanziell unter die Arme zu greifen, können diese einen erhöhten steuerlichen Abzug geltend machen.

Auch für VersicherungsnehmerInnen mit länger existierenden Polizzen müssen die Kosten ohne Zusatzzahlungen von Vorsorgeuntersuchungen übernommen werden. Mit dem Health Care and Education Affordability Reconciliation Act of 2010 wurden Punkte des Patient Protection and Affordable Care Act verstärkt: die Ausweitung des staatlichen Zuschusses der Krankenversicherungskosten bei Menschen mit einem Einkommen von bis zu 400 Prozent gemessen an der staatlichen Armutsgrenze, die Erhöhung der Strafkosten um zusätzliche 0,5 Prozent des Einkommens bei Nichtabschluss einer Krankenversicherung sowie eine Strafzahlung von 2.000 US-Dollar für Unternehmen ab dem/der 31. unversicherten MitarbeiterIn. Für Medicare-PatientInnen wurde geregelt, dass sie die Kosten von verschreibungspflichtigen Medikamenten bis zu einem Betrag von 250 US-Dollar rückerstattet bekommen. Außerdem soll die Zahlung von Behandlungen für Medicaid- und Medicare-PatientInnen gleichgestellt werden.

Mit den beiden Gesetzesreformen versucht US-Präsident Barack Obama allen US-BürgerInnen die Möglichkeit einer Krankenversicherung zu schaffen, einerseits durch die Ausweitung von Medicaid und andererseits durch die Vermittlung besserer privater Krankenversicherungen durch Krankenversicherungsbörsen. Laut einer Umfrage der Firma Gallup gaben 56 Prozent der Befragten an, dass sich die Situation für Familien mit niedrigem Einkommen durch die Gesundheitsreform verbessern würde und 59 Prozent glaubten, dass sich durch die Durchsetzung der beiden Gesetze die Situation von US-AmerikanerInnen ohne Krankenversicherung verbessern würde.

Obwohl Millionen von Menschen durch die Gesundheitsreform von Barack Obama und seiner Regierung mittlerweile eine Krankenversicherung haben, hagelt es an Kritik und unzufriedenen Stimmen.
Auch im im Präsidentschaftswahlkampf ist "Obamacare" ein großes Thema. In einer TV-Debatte äußerte Trump wiederholt, dass er diese Gesundheitsreform wieder komplett rückgängig machen will, da die Kosten dafür zu hoch seien. Die von ihm genannten Zahlen dafür hielten jedoch einem Fakten Check nicht stand. Clinton hingegen betont die Bedeutung einer Krankenversicherung für Millionen von Menschen in Amerika und will auf die bestehende Gesundheitsreform Obamas aufbauen. Zwar sieht auch sie kritikwürdige Punkte, jedoch will sie diese ausbessern und nicht die Reform komplett rückgängig machen.
Die von KritikerInnen befürchteten Folgen für den Arbeitsmarkt, als auch für die Qualität der Gesundheitsversicherungen fiel entweder weniger schlimm aus als erwartet oder trat gar nicht in Kraft. Ein weiterer positiver Punkt des Patient Protection and Affordable Care Act ist, dass dadurch auch in den USA eine Debatte über eine breite Aufstellung der Krankenversicherung geführt wird.