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Nürnberger Prozesse

Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion erklärten bereits während des Zweiten Weltkriegs, dass Deutsche nach dem Krieg in die Länder gebracht werden sollten, in denen sie Verbrechen begangen hatten und nach dem dort geltenden Recht verurteilt werden. Für die Hauptkriegsverbrecher, deren Verbrechen nicht zu einem bestimmten Land zuordenbar waren, sollte nach dem Krieg eine gemeinsame Rechtsgrundlage ausgearbeitet werden, die auf jenen der Alliierten Staaten basieren sollte. Dieses Vorhaben wurde am 30. Oktober 1943 in Moskau in der "Erklärung über deutsche Gräueltaten im besetzen Europa" festgehalten.

Bereits drei Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am 8. August 1945, einigten sich die USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion im Rahmen des Londoner Viermächteabkommens über die "Verfolgung und Bestrafung der Hauptkriegsverbrecher der Mächte der Europäischen Achse" und das "Statut für den Internationalen Militärgerichtshof". Trotz den unterschiedlichen Verfassungen und Rechtsauffassungen und auch den unterschiedlichen Vorstellungen zur Bestrafung der Hauptkriegsverbrecher konnte innerhalb dieser kurzen Zeit eine Lösung gefunden werden.

Die Bezeichnung Internationaler Militärgerichtshof bekommt noch zusätzliche Berechtigung, da neben den vier Alliierten Staaten noch neunzehn weitere Staaten das in London ausverhandelte Statut anerkannten. Diese Staaten waren Abessinien, Australien, Belgien, Dänemark, Griechenland, Haiti, Honduras, Indien, Jugoslawien, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Panama, Paraguay, Polen, Tschechoslowakei, Uruguay und Venezuela.

In London wurde außerdem vereinbart, dass Berlin der Sitz des Internationalen Militärgerichtshofes sein und der erste Prozess in Nürnberg stattfinden sollte. Nürnberg war während der Zeit des Nationalsozialismus die "Stadt der Reichsparteitage" und der "Rassegesetze" und wurde unter anderem aufgrund seiner zentralen Lage im "Deutschen Reich" ausgewählt. Von 1923 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 fanden elf "Reichsparteitage" statt, die ersten beiden in München und Weimar. Das Ziel dieser Propagandaveranstaltungen der NSDAP (Nationalsozialistische Arbeiterpartei) war, die Verbundenheit zwischen Führung und Volk darzustellen. Auch mit Hilfe von Propagandafilmen wie "Der Sieg des Glaubens" oder "Triumph des Willens" wurden BesucherInnen und ZuschauerInnen mit den Ideologien des NS-Regimes indoktriniert und in deren Richtung manipuliert. Im Zuge des "Reichsparteitags der Freiheit" im September 1935 fand die Verabschiedung der "Nürnberger Rassegesetze" statt, die neben der Verankerung der Hakenkreuzfahne als "Reichsfahne", dem zentralen Bestandteil der nationalsozialistischen Rassenideologie dienten. Diese gesetzliche Regelung zwischen "Ariern" und "Nichtariern" verschriftlichte die antisemitische Hetze der Nationalsozialisten. Juden und Jüdinnen wurden zu Menschen minderen Rechts degradiert und der Bogen für ihre gezielte Diskriminierung und Vernichtung gelegt.

Nürnberg lag nach dem Zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Besatzungszone, und der dortige Justizpalast bot dank seiner geringen Beschädigung die ideale Infrastruktur für die Verhandlungen und die Unterbringung der Angeklagten im benachbarten Gefängnis.