Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Der "Europäische Traum"

Dass es nicht nur den American Dream, sondern auch den "Europäischen Traum" gebe, lautet eine These des amerikanischen Ökonoms Jeremy Rifkin. Er ist Leiter des Instituts The Foundation on Economic Trends in Washington DC und berät in Europa PolitikerInnen, Parteien und die Europäische Kommission. Der "Europäische Traum" werde in Zukunft attraktiver und erfolgreicher sein als sein amerikanisches Pendant, ist Rifkin überzeugt.

Die Grundlage seiner These ist das "kulturelle Betriebssystem" als Faktor der Zukunftsfähigkeit, d.h. Werte, Visionen oder Träume - und nicht die Volkswirtschaft. In seinem Buch "Der Europäische Traum" vergleicht Rifkin vor allem die Werte der beiden Konzepte und deren Tauglichkeit für die Zukunft. Ihm zufolge dominiert bei den amerikanischen Grundwerten ein reiner Individualismus, während bei den asiatischen nach wie vor das Kollektiv im Mittelpunkt steht. Zwischen diesen zwei Polen positioniert Rifkin Europa als "gesunde" Mitte, wo Gemeinschaftsbeziehungen mehr gelten als individuelle Autonomie, wo Freiheit sich erst in der Einbettung entfaltet und nicht als Unabhängigkeit von anderen verstanden wird.

Außerdem liege ein weiterer Gegensatz in der großen Bedeutung der kulturellen Vielfalt für Europa und der kulturellen Vereinheitlichung Amerikas. Lebensqualität, die universellen Menschenrechte und die Rechte der Natur werden dem Autor zufolge in Europa höher geschätzt als die Anhäufung von Reichtum sowie Eigentumsrechte. Er schreibt, die Europäische Union sei ein hoffnungsvolles historisches Unterfangen, denn es werde nicht mehr auf vertikale Hierarchien, sondern auf horizontale Vernetzung gesetzt. Einen Teil des Zukunftsoptimismus und der Eigenverantwortung könne sich jedoch Europa durchaus vom American Dream abschauen, rät Rifkin.