Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Resultate und Tendenzen

Reformen von Familien- und Eherecht in vielen Ländern, die Einführung der sogenannten Fristenlösung, d.h. die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in fast allen Bundesstaaten der USA, Frankreich und Italien, Gesetze zum Schutz schwangerer Arbeitnehmerinnen sowie "Quotierungen", um Frauen zu höheren Positionen zu verhelfen, waren einige der Resultate der zweiten Frauenbewegung.
Viele Forderungen haben allerdings bis heute nichts an Aktualität verloren und werden erst nach und nach umgesetzt, wie beispielsweise eingetragene Lebensgemeinschaften für homosexuelle Paare oder Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe.

Dritte Welle der Frauenbewegung

In den 1990er Jahren entwickelte sich in den USA erneut eine Frauenbewegung, die sogenannte Dritte Welle, die sich stark an den Zielen der zweiten, die bis heute noch nicht verwirklicht sind, orientierte. Die Frauen der Dritten Welle wollten aus den "Fehlern" ihrer VorgängerInnen, etwa dem teilweisen Ausschluss von Männern, lernen und traten multikultureller und genderübergreifender auf. Die aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten spielten eine wesentliche Rolle dabei, da der Feminismus einerseits einen schlechten Ruf innerhalb der jungen Generation hatte, und andererseits sahen bzw. sehen viele junge Frauen eine Gleichberechtigung der Geschlechter als verwirklicht an. Eine dieser Bewegungen der Dritten Welle waren die Riot grrrls, die in den USA entstanden und mit ihren Aktionen auch Europa beeinflussten. Deutschland beispielsweise griff Elemente der Riot grrrls auf. Die jungen Feministinnen arbeiteten vor allem mit dem Internet und in Projekten und Netzwerken mit feministischer Ausrichtung, beispielsweise die Third Wave Foundation in den USA.

Ein wichtiges Aufgabenfeld der heutigen Frauenbewegung ist die Etablierung von Frauenrechten als festen Bestandteil universell gültiger Menschenrechte, d.h. die Frauenrechte sollten über religiösen und kulturellen Traditionen der einzelnen Länder stehen. Erste Schritte in diese Richtung erfolgten 1993 bei der Weltmenschenkonferenz in Wien, wo Gewalt gegen Frauen erstmals als Menschenrechtsverletzung benannt wurde. Bei der vierten Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen 1995 in Beijing wurde im Abschlussprotokoll festgehalten: "Frauenrechte sind Menschenrechte." Auf die Pekinger Erklärung können sich Frauenbewegungen weltweit berufen, da sie zu fast allen gesellschaftlichen Bereichen konkrete Aktionen von ihren Regierungen einfordern können. 1999 wurde das Fakultativprotokoll zum Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau unterschrieben, das Individualklagen ermöglicht und das Kriegsverbrechentribunal in Den Haag hat als erstes Gericht die Vergewaltigung von Frauen im Krieg als Menschenrechtsverletzung geahndet.

Vierte Welle der Frauenbewegung

Im US-Wahlkampfjahr 2008 startete die Vierte Welle, und die FeministInnen der vierten Frauenbewegung griffen die Erkenntnisse und Errungenschaften ihrer Vorgängerinnen der letzten drei Frauenbewegungswellen auf. Sie sind, wie auch schon die Frauen der Dritten Welle, im Internet sehr präsent, verbreiten feministisches Wissen und informieren über feministische Aktionen. Im Wahlkampf 2012 wurde deutlich, wie wichtig diese Vierte Welle der Frauenbewegung ist. Rechte, die Frauen auf steinernen Wegen erkämpft haben, stehen jetzt Forderungen nach deren Abschaffung gegenüber. Von Frauen für Frauen errungene Entscheidungsfreiheiten werden wieder diskutiert und in Frage gestellt. 2011 wurden bereits 92 Anti-Abtreibungsgesetze in 24 Bundesstaaten der USA durchgesetzt bzw. in 26 Bundesstaaten eingeschränkt. 1973 war dieses Recht vom Obersten Gericht in den Vereinigten Staaten verabschiedet worden. Und im Wahlkampf 2012 gehen die Forderungen gegen die Frauenrechte von Seiten der Republikanischen Partei und auch der Tea-Party-Bewegung im sogenannten War on Women weiter. Die Themen reichen von der Kindererziehung berufstätiger Frauen über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch bis hin zu Verhütung.

Rückschrittliche Entwicklungen wie diese fordern Frauen auf, aktiv zu werden. Zehntausende Menschen demonstrierten im Frühling 2012 gegen Anti-Abtreibungsgesetze und forderten mehr Unterstützung für Alleinerzieherinnen, einen leichteren Zugang zu Verhütungsmitteln und höhere Löhne. Diese Menschen protestierten über die gesamten Vereinigten Staaten verteilt und auch im Internet und dem Motto: "Unite against the War on Women!"

Das soziale Netzwerk Facebook wird ebenso von der vierten Frauenbewegung genutzt und ermöglicht zusätzlich, Millionen von Menschen zu erreichen. Überall in der Welt, vernetzten sich Frauen, Feministinnen, Aktivistinnen über die sozialen Netzwerke, gründeten Gruppen, stellten Aktionen auf die Beine und fanden sich zusammen.

Der Anstieg an offensichtlichem Sexismus, frauenfeindlichen Äußerungen und Haltungen bewegt immer mehr Frauen dazu sich der vierten Welle der Frauenbewegung anzuschliessen. Unter ihnen Frauen, die bereits in der zweiten Welle der Frauenbewegung aktiv waren, und auf Grund der Entwicklungen der letzten Jahre sich erneut für die Rechte der Frauen einsetzen. Frauenfeindlichen Äußerungen, die auch im US-Wahlkampf 2016 wiederfinden sind, zeigen, dass eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen noch lange nicht erreicht ist.