Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Die Frauenbewegung ab 1967 bis heute

Seit den 1950er Jahren entwickelte sich ein allgemeiner gesellschaftlicher Umbruch und Wertewandel, der auch die zweite Welle der Frauenbewegung auslöste. Eine neue Form des Feminismus trat ab 1967 zutage, als feministische Gruppen mit einem breiten Spektrum an organisatorischen Methoden und politischen Ansichten entstanden. Letztere schlugen sich in drei verschiedenen Richtungen nieder: die bürgerliche Frauenbewegung, die linke StudentInnenbewegung und die radikal-feministische Bewegung. Die späten 1960er Jahre waren die Zeit der StudentInnen- und Friedensbewegungen. StudentInnen entwarfen Flugblätter und Resolutionen, diskutierten und demonstrierten gegen die eingefahrenen Strukturen an den Universitäten, gegen Spießbürgertum und für Selbstbestimmung. Schließlich führte die traditionelle Rollenverteilung innerhalb der StudentInnenbewegungen zu einem Bruch, und es entstanden eigene autonome "Weiberräte". Währenddessen strebte die bürgerliche Frauenbewegung an, auf legalem Weg die völlige Gleichberechtigung der Frauen durchzusetzen. Für die radikale Frauenbewegung ging es vor allem um die psychologische Befreiung der Frauen, wobei der Kampf gegen sexuelle Unterdrückung und patriarchalische Verhaltensweisen den Fokus bildeten.

1972 entstand auch in Deutschland eine zweite Frauenbewegung, als der Erste Bundesfrauenkongress in Frankfurt am Main stattfand, an dem 450 Frauen aus 40 Frauengruppen teilnahmen. In der Eröffnungsrede hieß es:

Privilegierte haben in der Geschichte ihre Rechte noch nie freiwillig preis gegeben. Deshalb fordern wir: Frauen müssen ein Machtfaktor innerhalb der ausstehenden Auseinandersetzungen werden! Frauen müssen sich selbst organisieren, weil sie ihre ureigensten Probleme erkennen und lernen müssen, ihre Interessen zu vertreten!

USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren Vorreiter der zweiten Welle der Frauenbewegung und bis heute sind die US-Gender Studies führend im Bereich der feministischen Theorie. Durch die Bürgerrechtsbewegung der afroamerikanischen Bevölkerung und die Massenbewegung gegen den Vietnamkrieg wurden die Frauen inspiriert, sich wieder stärker für ihre eigenen Anliegen sowie die Lösung ihrer Probleme einzusetzen.

"Das private ist politisch", lautete ein wichtiger Leitgedanke der zweiten Frauenbewegung. Wichtige Bezugspunkte boten auch feministische Texte wie "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir, "Der Weiblichkeitswahn" von Betty Friedan, "Sexus und Herrschaft" von Kate Millet oder "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" von Alice Schwarzer. Die Ergebnisse der Frauen- und Matriarchatsforschung wurden ebenfalls von vielen Frauen gelesen und trugen zur grundsätzlichen Infragestellung des bisherigen Geschlechterverhältnisses bei.

Betty Friedan

Als Urmutter der zweiten Frauenbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika gilt Betty Friedan. 1963 schrieb sie ihr erstes Buch, "Der Weiblichkeitswahn", in dem sie die amerikanische Gesellschaft anklagte, Frauen auf die Verwirklichung als Hausfrau und Mutter getrimmt und damit eine echte Selbstfindung der Frauen verhindert zu haben. Zusammen mit anderen Feministinnen gründete sie 1966 die National Organization of Women (NOW), die sich zu einer einflussreichen Interessensvertretung der Frauen entwickelte und erheblichen Einfluss in der US-Gesellschaft gewann. Betty Friedan engagierte sich für praktizierte und gesetzlich verankerte Gleichberechtigung der Frauen in Ausbildung, Beruf und Familie. Im August 1970 war sie Organisatorin der ersten großen nationalen Frauendemonstration auf der Fifth Avenue in New York, unter anderem mit dem Slogan: "Frauen, ihr habt nichts zu verlieren außer eurem Staubsauger!" Bereits die Vorbereitungen dieser Demonstration erreichten einen Zusatzartikel zur Verfassung, der die Diskriminierung von Frauen verbot.

Österreich

In Österreich setzte die zweite Welle der Frauenbewegung um 1968 ein. Die wichtigsten Forderungen waren stärkere politische Repräsentanz, ökonomische Unabhängigkeit vom Mann, Beseitigung sexueller Repression und Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch. Die damalige Regierung unter Bruno Kreisky umfasste immer mindestens zwei und von 1979 bis 1983 "sogar" sechs Frauen. Mitte der 1980er Jahre wurde eine Quotenregelung eingeführt (bis zu 40 Prozent der Mandate für Frauen), und unter der Führung der SPÖ-Politikerin Johanna Dohnal wurde aus dem Staatssekretariat für allgemeine Frauenfragen im Jahr 1990 ein eigenes Ministerium eingerichtet. 1994 waren Heide Schmidt (Liberales Forum) und Madeleine Petrovic (Die Grünen) die ersten beiden weiblichen Spitzenkandidatinnen von wahlwerbenden Parteien. Gleichzeitig mit der verstärkten politischen Repräsentanz veränderten sich auch die Bildungs- und Berufsstruktur. So wird beispielsweise der Lehrberuf von Frauen dominiert, und auch in Sozialberufen, im medizinischen Sektor und im Dienstleistungsbereich gibt es einen hohen Frauenanteil. In der Besetzung von Spitzenfunktionen herrscht jedoch bis zum heutigen Tag ein großes Ungleichgewicht im Vergleich zu Männern, und die Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist noch immer weit von einer umfassenden Umsetzung entfernt.