Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Die Frauenbewegung 1848-1914

Bereits zur Zeit der Aufklärung, mit dem Beginn der Bürgerrechtsbewegung, entwickelten sich die ersten Ansätze der Frauenbewegung. Grundgedanke war die Gleichheit aller Menschen, so wie es auch in der Französischen Revolution proklamiert wurde. Die Feministin Olympe Marie de Gouges forderte bereits kurz nach der Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte dieselben Rechte und Pflichten für Frauen und Männer. Der Frauenrechtsbewegung lagen auf der einen Seite die Ideen der Aufklärung zugrunde, d.h. dass alle Menschen "von Natur aus gleich" sind und woraus die Forderung nach der Geschlechter-Gleichstellung entstand, und auf der anderen Seite berief sie sich auf neue Überzeugungen von "polarisierten Geschlechtercharakteren", die sich im Zuge der Aufklärung mit der Verbreitung des Bürgertums und Kapitalismus in der Entstehung befanden.

Die erste Frauenbewegung, die sich im 19. Jahrhundert entwickelte, drehte sich zu Beginn in erster Linie darum, auf zivilrechtlichem Gebiet eine Verbesserung für Frauen zu erreichen und die rechtliche Unmündigkeit zu beseitigen, beispielsweise die Einführung des Scheidungs- und Sorgerechts für Frauen oder die Aufhebung der Vormundschaft des Mannes in der Ehe. Vorerst war das Wahlrecht nur von untergeordneter Bedeutung, doch dies veränderte sich im Laufe der Zeit, da sich schnell herausstellte, dass Frauen ohne Rechte und Stimme in der politischen Öffentlichkeit nur Bittstellerinnen und auf männliche Bündnispartner angewiesen waren. Frauenrechtlerinnen waren im englischsprachigen Raum als Suffragetten bekannt. Die Erlangung der Bürgerrechte war das wichtigste Ziel der ersten Frauenbewegung, d.h. Wahlrecht, Recht auf Bildung, Recht auf Privateigentum und Recht auf Erwerbsarbeit. Bezeichnend war, dass die Forderung nach Rechten für Frauen ohne eine Infragestellung der traditionellen Rollenverteilung von Mann und Frau erfolgte.

USA

Die Ursprünge der ersten Frauenbewegung in den USA lagen im Sezessionskrieg, als 1848 erstmals in New York die sogenannte Seneca Falls Convention stattfand. Hauptinitiatorinnen der Versammlung waren Elizabeth Cadey Stanton und Susan B. Anthony. Ihre Forderungen orientierten sich bewusst an der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und betrafen zunächst das Wahlrecht für Frauen sowie eine Reform der Ehe- und Besitzrechte. Charakteristisch für die US-amerikanische Frauenbewegung ist die Verschwesterung weißer und afroamerikanischer Frauen, die ihre Forderungen in erster Linie gegen die Kirche, aber auch gegen männliche Kämpfer zur Abschaffung der Sklaverei verteidigten. Mit der Verfassungsänderung und der Zuerkennung des Wahlrechts für Schwarze kam es zu einem Bruch der ersten US-Frauenbewegung mit der Antisklavereibewegung. In einzelnen Bundesstaaten hatte das Frauenwahlrecht mit gewissen Einschränkungen bestanden, durch die Verfassungsänderung mit der Einführung des Zusatzes "male" (männlich) war es nun aber eindeutig ausgeschlossen.

England

Mit der ersten Wahlrechtsreform 1832 entstand die erste Frauenbewegung in England. Zwar sollte die Reform den britischen Parlamentarismus demokratisieren, aber Frauen waren vom Gemeinde- und parlamentarischen Wahlrecht ausgeschlossen - wie in den USA durch die Ergänzung des Wortes "male". Ab den 1860er Jahren begann ein umfassend organisierter Kampf, als die einflussreiche Stimmrechtsbewegung der Suffragetten entstand. Sie wollten das Frauenwahlrecht mittels Öffentlichkeitsarbeit und Petitionen erreichen. Zunächst gelang es ihnen, ab 1869 das aktive und passive Wahlrecht in den Gemeinden und auf unteren Verwaltungsebenen zu erstreiten. Die sogenannte "Sittlichkeitsbewegung" unter Josephine Butler stellte sich gegen die Reglementierung der Prostitution durch die Polizei - zum ersten Mal setzten sich bürgerliche Frauen für die Rechte von Prostituierten ein. Später schlossen sich die bürgerlichen Frauen auch der Forderung nach dem Wahlrecht an, wodurch sich die Suffragetten-Bewegung, eine der größten politischen Bewegungen Englands vor dem Ersten Weltkrieg, entwickelte.

Österreich

Die Berufstätigkeit der österreichischen Frauen war in der Landwirtschaft und im Gewerbe seit jeher üblich und erforderlich, seit dem 18. Jahrhundert aus wirtschaftlicher Notwendigkeit auch in der Industrie. Der erste qualifizierte Frauenberuf entstand jedoch erst 1869, als im Zuge der Einführung eines verpflichtenden Schulbesuchs für Mädchen für Frauen die Ausbildung zur Lehrerin möglich wurde. Zur Zeit der Monarchie untersagte das Vereinsrecht Ausländern, Frauen und Minderjährigen die Mitgliedschaft in politischen Vereinen, deshalb entstanden eigene Frauenvereine. 1890 gründeten die Sozialdemokraten den Arbeiterinnen-Bildungsverein und drei Jahre später den Diskutier- und Leseverein Libertas unter dem Vorsitz von Adelheid Popp. Der Bund der österreichischen Frauenvereine wurde 1902 durch Marianne Hainisch ins Leben gerufen; zwei Jahre später schloss er sich dem International Council of Women an. Als der Bund der österreichischen Frauenvereine 1938 aufgelöst wurde, zählte er rund 100 Mitgliedsvereine. Das Wahlrecht erhielten Frauen in Österreich erst 1919, d.h. nach dem Ersten Weltkrieg. Bis dahin waren sie (mit Ausnahme von Grundbesitzerinnen) davon ausgenommen.

Frankreich

Während der Französischen Revolution konnten die Frauen bescheidene Erfolge in den Bereichen Bildung und Familienrecht erreichen, doch nachdem die Jakobiner 1793 ihre Terrorherrschaft errichtet hatten, verboten sie Frauenvereine und beschränkten die Frau gesetzlich auf das Haus. Unter der Herrschaft Napoleons I. setzte änderte sich nichts an dieser Politik; erst im Zuge der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution 1848 konnte wieder von einer Frauenbewegung die Rede sein. Auch die französischen Frauen kritisierten das Ehegesetz und versuchten, das Wahlrecht mittels Petitionen zu erlangen. Ihr Kampf war einer der langwierigsten, denn obwohl Frankreich als erstes Land in Europa das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht eingeführt hatte, wurde Frauen erst 1944 das volle Wahlrecht zugestanden. Diskriminierungen im Zivilrecht blieben sogar bis in die 1980er Jahre bestehen.

Schlussendlich waren die Frauenrechtlerinnen erfolgreich und ihre wichtigsten Forderungen, besonders das Wahlrecht, wurden eingelöst. Allerdings erfuhren traditionelle Werte wie Familie und Mütterlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg wieder einen Aufschwung.