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Der radikale Flügel der Bürgerrechtsbewegung

Rassismus und soziale Ungleichheit konnten durch Gesetze und Gerichtsurteile nicht abgeschafft werden, und der Kampf der Bürgerrechtsbewegung war oft frustrierend und zäh. Daher entstand ein radikaler Flügel innerhalb der Bürgerrechtsbewegung, der vor allem durch die Black Muslims mit ihrem Anführer Malcolm X und die Black Panthers vertreten wurde.

Die Gruppierungen waren vor allem in den Großstädten des Nordens und in Kalifornien beheimatet. Malcolm X hielt nichts von gewaltlosem Widerstand, da er davon überzeugt war, dass 400 Jahre weißer Terror deutlich gemacht hatten, dass die Weißen keine Kompromisse wollten, und in seinen Augen war das Gerede von Gleichberechtigung nur Heuchelei. Er sah die Lösung darin, dass die schwarze Bevölkerung ein Selbstbewusstsein zugleich als Afrikaner als auch als Amerikaner entwickeln sollte. Malcolm X wurde im Februar 1965 bei einem Vortrag in Harlem erschossen. Die Black Panthers propagierten den bewaffneten Guerillakrieg. Das FBI führte einen geheimen und teilweise illegalen Feldzug gegen militante afroamerikanische Gruppen. Im August 1965 ereignete sich ein ungeplanter gewalttätiger Aufstand im Süden von Los Angeles, bei dem AfroamerikanerInnen Geschäfte von Weißen beschädigten. Darauf folgten Unruhen in weiteren Städten, und der radikale Bürgerrechtsflügel erfand das Schlagwort "Black Power", das auch zu einem Synonym für afroamerikanisches Selbstbewusstsein wurde.

Im Jahr 1966 nahmen bis zu 15.000 Menschen an einem Marsch von Tennessee nach Mississippi teil. An der Spitze gingen mehrere afroamerikanische Führer, darunter auch Martin Luther King. Die DemonstrantInnen wollten vor allem die konsequente Umsetzung des Civil Rights Act von 1964 erreichen. Zwischen den verschiedenen teilnehmenden Organisationen brodelte eine aggressive Stimmung, untermalt von heftigen Diskussionen rund um das Thema Gewaltanwendung. Der radikale Teil der Bürgerrechtsbewegung war alles andere als repräsentativ für die große Mehrheit der afroamerikanischen Bevölkerung, welche die Abschaffung der Rassentrennung und die Sicherung des Wahlrechts als großen Fortschritt betrachtete und begrüßte. Der Weg vom Protest in die Politik hatte endlich begonnen, und in den folgenden Jahrzehnten näherte sich die afroamerikanische Repräsentation in den politischen Institutionen allmählich ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung an.