Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Der Montgomery Bus Boykott 1955

Die Geburtsstunde des US-amerikanischen Civil Rights Movement wird häufig gleichgesetzt mit dem Bus Boykott von Montgomery.

Am 1. Dezember 1955 stieg die afroamerikanische Schneiderin Rosa Parks müde von einem langen Arbeitstag in den Cleveland-Avenue-Bus und setzte sich auf den ersten freien Sitz hinter den für die Weißen reservierten Plätzen. Sofort befahl der Busfahrer ihr und drei anderen AfroamerikanerInnen, weiter nach hinten zu gehen, um weißen Fahrgästen, die gerade einstiegen, Platz zu machen. In der Zwischenzeit gab es keine Sitzplätze mehr, und die anderen drei kamen der Aufforderung des Fahrers nach, während Rosa Parks jedoch sitzen blieb. Sie hatte die Diskriminierung satt und wurde als Folge festgenommen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von ihrer Verhaftung und löste eine Welle der Solidarität und des zivilen Ungehorsams aus. 381 Tage lang boykottierten die AfroamerikanerInnen der Stadt das Busunternehmen, um das Ausmaß der wirtschaftlichen Abhängigkeit der weißen UnternehmerInnen von der schwarzen Bevölkerung deutlich zu machen. Die BürgerrechtlerInnen erhofften sich eine Boykottbeteiligung von 60 Prozent - doch schließlich wurden fast 100 Prozent erreicht. Nun wurde die Montgomery Improvement Association (MIA) gegründet, die für den Boykott verantwortlich war.

Ihr Präsident war Martin Luther King, und ihre Forderungen waren die Zusicherung höflicher Behandlung seitens des Busunternehmens, die Regelung der Sitzplatzwahl im Bus nach Eintreffen der Fahrgäste und der Einsatz afroamerikanischer Busfahrer auch auf Linien, die hauptsächlich von afroamerikanischen BürgerInnen frequentiert wurden.

Das schwierigste Problem zu Beginn des Boykotts war die Transportfrage. In den ersten Tagen beförderten von Schwarzen geführte Taxi-Gesellschaften die Protestierenden zum Buspreis von zehn Cent. Doch schnell kam eine verpflichtende Verordnung über einen Mindestpreis von 45 Cent für alle Taxigesellschaften, die diese Strategie zunichtemachte. Daraufhin entstand ein freiwilliger Auto-Pool, an dem sich anfangs rund 150 Menschen mit ihren Autos beteiligten, aber schon innerhalb kurzer Zeit stieg die Zahl auf das Doppelte an. Unter den Protestierenden gingen auch viele absichtlich und freiwillig zu Fuß, da sie im Gehen eine symbolische Handlung sahen. Die Stadtverwaltung versuchte den Boykott mit Verhaftungen für kleine oder fingierte Verkehrsverletzungen zu brechen. Martin Luther King wurde von dem Bürgerrechtler und bekennenden homosexuellen Baynard Rustin im gewaltfreien Widerstand nach Gandhi beraten. Als ein Bombenanschlag auf das Haus von Martin Luther King verübt wurde, verschärfte sich die gesamte Situation. Doch er appellierte an seine MitstreiterInnen, weiterhin auf dem Weg der Gewaltlosigkeit zu bleiben, da er fest davon überzeugt war, das Problem nicht mit Rache und Vergeltung lösen zu können.

Als Reaktion auf den Bus Boykott kam es zu Massenverhaftungen. Ein Schwurgericht erklärte ihn als rechtswidrig und klagte Hunderte AfroamerikanerInnen an, darunter auch Martin Luther King. Doch diese Methoden verhalfen dem Bus Boykott zu mehr Schwungkraft, und die MIA brachte einen Antrag zur Aufhebung der Bus-Segregation beim Bundes-Distriktgericht ein. Dieses beschloss am 4. Juni 1956, dass die Bus-Segregationsgesetze von Alabama verfassungswidrig seien, d.h. den BürgerrechtlerInnen wurde Recht gegeben. Die Gegenseite legte zwar Berufung ein und versuchte, die Auto-Pools gesetzlich zu verbieten, jedoch kam schließlich - nach Monaten des gewaltlosen Protests - der Oberste Gerichtshof zum gleichen Urteil. Mit diesem Erfolg gewann die Bürgerrechtsbewegung enorm an Bedeutung, und immer mehr Menschen, auch Weiße, schlossen sich ihr an.