Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Civil Rights Movement

In den Vereinigten Staaten hat es schon immer Frauen und Männer gegeben, die sich für Menschen- und Bürgerrechte einsetzten, allerdings entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts eine Bürgerrechtsbewegung daraus, das Civil Rights Movement. Nach dem Ende des Bürgerkriegs war die Sklaverei zwar offiziell abgeschafft, aber die afroamerikanische Bevölkerung blieb weiterhin, vor allem in den Südstaaten, unterdrückt. Die ehemaligen SklavInnen erhielten zunächst das Bürger- und Wahlrecht, doch in der Praxis durften nur diejenigen wählen, deren Großväter bereits gewählt hatten. Auch die soziale Situation war meist schlecht, da die Mehrzahl als unterbezahlte ArbeiterInnen beschäftigt war. Dazu kam, dass der rassistische Verein Ku-Klux-Klan seit seiner Gründung 1865/66 die afroamerikanische Bevölkerung mit Gewaltaktionen in Angst und Schrecken versetzte. Der Oberste Gerichtshof legitimierte 1896 die Rassentrennung, die sogenannte Segregation, und erklärte getrennte Einrichtungen für "Schwarze" und "Weiße" als verfassungsgemäß, solange sie von "gleicher Qualität" waren.

Als sich langsam afroamerikanischer Protest entwickelte, stellte er die politische und soziale Ordnung der Vereinigten Staaten lange Zeit nicht grundsätzlich in Frage, sondern richtete sich in erster Linie dagegen, dass rund zehn Prozent der Bevölkerung aufgrund ihrer Hautfarbe die Verwirklichung des American Dream verwehrt blieb. Zunächst spielte sich der Kampf der Bürgerrechtsbewegung gegen die Diskriminierung hauptsächlich in den Südstaaten ab, wo die Mehrheit der AfroamerikanerInnen lebte und ein umfassendes System von Rassentrennung und politischer Unterdrückung die Vorherrschaft der Weißen garantierte.

Die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), die 1909 gegründet wurde, beschränkte sich zunächst darauf, die Ungleichheit in der Praxis bloßzustellen und die Behörden zu materiellen Verbesserungen zu zwingen. Vor Gericht wurde die oben erwähnte Seperate-but-Equal-Doktrin angefochten. Im Mai 1954 verkündete der Oberste Gerichtshof ein wichtiges Urteil zur Rassentrennung in Schulen, als das Gericht einstimmig befand, dass die Trennung afroamerikanischer Schulkinder von ihren weißen MitschülerInnen ein Minderwertigkeitsgefühl erzeuge und damit auch die Bildungschancen nicht gleich seien. Die Rassentrennung wurde als "an sich ungleich" bezeichnet. Obwohl sich dieses Urteil nur auf den Schulbereich bezog, brachte es die Rechtsgrundlage der Rassentrennung ins Wanken. Eine weitere Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ein Jahr später hielt die Schulen dazu an, die Integration mit Eile durchzuführen. Darauf reagierten die Südstaaten mit offener Rebellion. Mehr als 100 Kongressabgeordnete unterzeichneten 1956 ein "Südstaatenmanifest", d.h. einen Aufruf zum Widerstand gegen die Rassenintegration. Um afroamerikanischen Schulkindern den Zugang zur Central High School von Little Rock in Arkansas zu ermöglichen, musste Präsident Dwight D. Eisenhower 1957 sogar Bundestruppen einsetzen.

Noch 1964 besuchten nur zwei Prozent aller schwarzen SchülerInnen integrierte Schulen. Da die Gerichtsurteile nur so schleppend umgesetzt wurden, begannen die BürgerrechtlerInnen, die Rassentrennung mit gewaltlosen Aktionen in Form von Demonstrationen, Boykotten und gezielter Verletzung der Segregationsgesetze zu bekämpfen. Eine wichtige derartige Aktion war der sogenannte Bus Boykott von 1955/56 in Montgomery, Alabama, den die Verhaftung der afroamerikanischen Schneiderin Rosa Parks ausgelöst hatte. Sie hatte sich im Bus geweigert, ihren Sitzplatz für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihre Festnahme sorgte landesweit für Aufruhr und 42.000 AfroamerikanerInnen boykottierten daraufhin die öffentlichen Verkehrsmittel 381 Tage lang. Einer der Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung war Marin Luther King, der durch diese Aktion als charismatische Führungspersönlichkeit bekannt wurde. Doch solange in den politischen Machtzentren kein Wille zur Beendigung der Rassendiskriminierung vorhanden war, reichten Gerichtsprozesse und gewaltloser Widerstand nicht aus.

Von höchster Ebene erfuhr die Bürgerrechtsbewegung lange Zeit nur sehr wenig Unterstützung. Präsident Eisenhower betrachtete die Rassenintegration mit Skepsis und mahnte die schwarzen BürgerrechtlerInnen zur Geduld. Sein Nachfolger, John F. Kennedy, setzte sich zunächst ebenfalls kaum für das Ende der Diskriminierung ein. Gegen die Rassenintegration gab es immer wieder gewalttätigen Widerstand; etwa tagelange Prügelexzesse der Polizei gegen friedliche DemonstrantInnen in Mississippi 1962 beim Versuch, die Zulassung eines schwarzen Studenten zur Universität zu erreichen. Es zeigte sich immer deutlicher, dass Präsident und Kongress ihre Verantwortung wahrnehmen mussten.