Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Die Geschichte der ArbeiterInnenbewegung

In der Geschichte der US-amerikanischen ArbeiterInnen spielten Streiks bereits in der Vorbereitungsphase der Industrialisierung, d.h. ab dem frühen 19. Jahrhundert, eine große Rolle und sind bis heute DIE Kampfstrategie der Gewerkschaften in den USA. Eingeführt wurden Streiks von MechanikerInnen und HandwerkerInnen, als sie ihren Status als KollegInnen der MeisterInnen verloren und zu ArbeiterInnen wurden, aber auch nicht-gewerkschaftlich organisierte ArbeiterInnen bedienten sich dieses Mittels. Zwischen 1824 und 1837 gab es mehr als ein Dutzend umfangreicher Streiks, wobei diese hauptsächlich auf die Verteidigung bestehender Situationen und nicht auf das Erkämpfen von Veränderungen abzielten. Weder Frauen noch schwarze Facharbeiter bzw. freigelassene Sklaven durften vor dem Sezessionskrieg einer Gewerkschaft beitreten, und viele männliche Gewerkschafter streikten, um deren Aufnahme in ihrem Beruf zu verhindern. Zu dieser Zeit waren die Gewerkschaften mit dem herrschenden politischen System weitgehend einverstanden und orientierten sich an den Interessen ihres jeweiligen Berufsstandes.

Also mussten Frauen, Kinder und afroamerikanische Facharbeiter andere Methoden einsetzen. Um die Macht der Vorgesetzten zu untergraben wurden Arbeitsniederlegungen, Krankenstand, kleinere Formen von Vandalismus, Brandstiftung oder Diebstahl durchgeführt. Dieser Kampf war gefährlich, und der Protest konnte als Ungehorsam oder Rebellion gewertet werden.

Das Gefälle zwischen Arm und Reich, Sklaven und Freien, Frauen und Männern, Einwanderern und Etablierten wurde durch den wirtschaftlichen Aufschwung der 1830er Jahre immer massiver. Arbeitsplatz der ArbeiterInnen war die Fabrik mit ihren willkürlichen Regeln und Vorschriften. Diese Bedingungen begannen erst im Zuge des Bürgerkriegs sich zu verändern - und zwar gewaltig. Erstens formierte sich eine neue Klasse von IndustriearbeiterInnen, die ihre eigenen Organisationen entwickelten. Zweitens begehrten Frauen gegen ihre Unterdrückung auf. Drittens strebten AfroamerikanerInnen danach, ihre mit politischer Freiheit verbundenen Möglichkeiten wahrzunehmen und kämpften gemeinsam mit der Gewerkschaftsbewegung für bessere Arbeitsbedingungen. In dieser Zeit hatten lediglich alle weißen Männer das Wahlrecht. Die Basis der gewerkschaftlichen Arbeitsverhandlungen war der Zehn-Stunden-Arbeitstag, die Sklaverei wurde abgeschafft und in den Nordstaaten wurde ein allgemeines öffentliches Bildungssystem eingeführt.