Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Music

Die größte Musik-Industrie der Welt befindet sich in den Vereinigten Staaten von Amerika. Musik aus den USA ist in Europa weit verbreitet, umgekehrt ist die Verbreitung von europäischer Musik in den Vereinigten Staaten marginal. Doch das war nicht immer so. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts beeinflusste europäische Musik die musikalische Entwicklung der Vereinigten Staaten enorm.

Die erste Musik, die in den USA zu hören war, kam von den UreinwohnerInnen, den Native Americans. Durch die weitgehende Verdrängung und Ausrottung dieser, verschwand auch deren Musik. Diese Lücke in der amerikanischen Musikgeschichte wurde lange Zeit nicht geschlossen. Bis in das 17. Jahrhundert hinein waren Instrumente und Gesang außerhalb der Kirche unzulässig. Die Ursprünge des Gospels kamen mit der Sklaverei in die Vereinigten Staaten. Die sogenannten "Negrospirituals" beinhalten bedeutende Elemente der afrikanischen Musikkultur und verbreiten religiöse Inhalte, die das Leben der SklavInnen und ihren Glauben an Gott beschreiben.

Mit den EinwanderInnen aus Großbritannien, Schweden, Irland, Spanien, Deutschland und Frankreich kamen auch ihre musikalischen Traditionen. Die erste Oper eines britischen Komponisten war "Flora, or a Hob in the Well", die 1735 in Charleston, South Carolina aufgeführt wurde. Klassische Musik aus Europa hatte in den USA Einzug genommen. Die Begeisterung für diese Musik teilte auch der dritte US-Präsident und einer der wichtigsten Männer beim Verfassen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung: Thomas Jefferson.
Die Musikentwicklung im 18. und 19. Jahrhundert stand unter einem stark ausgeprägten europäischen Einfluss. Neben deutscher und englischer Musik brachten französische EinwanderInnen den Cajun nach Louisiana, und die jiddische Klezmer-Musik verankerte sich vor allem in New York. Aus der Vielzahl an Musikimporten entwickelten sich zu dieser Zeit schon neue Stile der Folk-Music, die Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Formen des Jazz hervorbrachten.

Mit neuen Jazz-Elementen entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein für die USA kennzeichnender Stil. Das Ursprungsland des Jazz brachte zu dieser Zeit den Komponisten George Gershwin hervor, der mit seiner Musik internationalen Erfolg verzeichnen konnte. Neben George Gershwin gingen viele Musiker, die später internationale Anerkennung erlangten, nach Paris, um dort zu studieren. Die Wurzeln des Jazz liegen in New Orleans, von wo aus sich diese Musikrichtung über Chicago in andere nördliche Städte verbreitete. Zwei der berühmtesten und weltweit bekannten Jazz-Musiker sind Louis Armstrong und Miles Davis. Louis Armstrong und sein Freund und Pianist Earl Hines waren maßgeblich am Durchbruch des Swing beteiligt. Swing setzt sich aus dem Jazz der 1930er Jahre und Elementen des Blues und Tin Pan Alley zusammen. Obwohl Jazz viele MusikerInnen und spätere Musikrichtungen beeinflusst hat, erlebte er seine Glanzzeit in der Swing-Ära.

Neben Jazz wurden Blues, Soul, R&B, Hip Hop und Rap, Funk, Country, Gospel und diverse regionale Stile in den Vereinigten Staaten "geboren". Aus Rhythm & Blues (R&B), das in den 1930er Jahren aufkam, entwickelte sich in Kombination mit Gospel der Soul zwanzig Jahre später mit Aufnahmen von Ray Charles, Sam Cooke und James Brown. Mit dem Ende der 1970er Jahre erlebten viele Musikrichtungen den Einfluss von Disco-Elementen. Mit angereicherten Elementen der Elektromusik und des Funks zu dieser Zeit kam die Soul-Musik wieder zu einem ihrer ursprünglichen Elemente zurück und wurde wieder als R&B bezeichnet. Stars wie Michael Jackson, Prince, Tina Turner oder Whitney Houston wurden mit dieser Musik weltbekannt. R&B trug ebenfalls gemeinsam mit Country und Blues zur Entstehung des Rock'n‘Roll bei.

Der erste weiße Musiker, der mit "schwarzer Musik" die breite Masse erreichte und Rock'n‘Roll in der ganzen Welt bekannt machte, war Elvis Presley. In den 1960er Jahren beeinflussten aber auch Bands wie The Beatles, The Who, The Rolling Stones und später Led Zeppelin aus Großbritannien die US-amerikanische Musikszene. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die US-amerikanische Kultur aus. Populärmusik wurde plötzlich als Kunst gesehen, und viele MusikerInnen verbanden Rock'n‘Roll mit politischen Zielen wie Bürgerrechten oder sangen Lieder gegen den Vietnamkrieg.

Nach den von politischen, sozialen und musikalischen Veränderungen gezeichneten 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich die Rockmusik sehr bunt. Was früher als Rock'n‘Roll bezeichnet wurde, hieß jetzt nur mehr Rockmusik und verschiedenste Stilrichtungen, zum Beispiel Punk mit The Ramones und Talking Heads, Hardcore mit Bad Religion oder Grunge mit Nirvana und Pearl Jam, Heavy Metal mit Kiss und Aerosmith, Glam Metal mit Bon Jovi und Guns N‘Roses sowie Trash Metal mit Metallica und Megadeth und viele mehr, entsprangen daraus.

Die Hip-Hop-Musik hatte ihre Geburtsstunde ebenfalls in den 1970er Jahren in den USA. Die Wurzeln des Hip-Hop bzw. Rap liegen in der Funk- und Soulmusik. Bis zum Beginn der 1990er Jahre wurde diese Musikrichtung meist als Rap bezeichnet, erst danach wurde die Bezeichnung Hip-Hop gängiger. In dieser Zeit verbreitet sich dieser Musikstil auch über die Grenzen hinweg. In vielen europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland oder Polen entstanden Hip-Hop-Szenen, tonangebend blieben jedoch Hip-Hop-KünstlerInnen wie Notorious B.I.G., Snoop Dogg oder Eminem aus den Vereinigten Staaten.

Die Vielfalt der amerikanischen Musik spiegelt sich in den Musikszenen vieler US-Städte und -Gemeinden wider. New Orleans, Austin, Philadelphia, Seattle, New York, San Francisco, Detroit, Minneapolis, Chicago, Nashville und Los Angeles sind nur ein paar Beispiele für die Vielfältigkeit der Musikszene in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Offenheit gegenüber vielfältigen Musikrichtungen und die Freude am Experimentieren mit Klang und Form kennzeichnen US-amerikanische Musik bis heute und beeinflussen europäische MusikerInnen. Mit den musikalischen Experimenten von John Cage und Henry Cowell in den 1950er Jahren und der Minimal Music aus den 1960er Jahren setzten die USA weltweite Trends und haben den europäischen Vorsprung mittlerweile längst aufgeholt.