Hintergrundbild UnSer (?) Amerika

Movies

<p>Hollywood ist eigentlich ein Stadtteil von Los Angeles in Kalifornien, bekannter ist der Name aber als Synonym für die gesamte US-amerikanische Filmbranche. Von dort aus begann die amerikanische Filmindustrie, die Welt zu erobern und ist zum Inbegriff der amerikanischen Unterhaltungsindustrie geworden. Die Bedingungen, die Hollywood der Filmindustrie bot, waren ideal. Die Luftfeuchtigkeit war angenehm niedrig und die warmen Temperaturen ermöglichten jahrein und jahraus Außenaufnahmen. Die umgebende Naturkulisse bot den Produzenten die Möglichkeit, Filme zu machen, die sowohl Farmen als auch Fabriken und Alpen oder Südsee darstellten.</p>

<p>Die US-Schauspielerin Marilyn Monroe beschrieb die "Traumfabrik Hollywood" so:</p>

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<p>Hollywood ist ein Ort, an dem sie dir tausend Dollar für einen Kuss bezahlen und fünfzig Cent für deine Seele.</p>
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<p>Unter den Mengen an Massenware, die Hollywood auf den Markt gebracht hat, waren auch viele Filme, unter deren Oberfläche sich sehr viel Tiefe verbirgt. Der erste Hollywood-Spielfilm war "The Squaw Man", der 1914 am Fuß der Santa Monica Berge von Cecil B. DeMille, von dem auch der weltbekannte Film "Die zehn Gebote" stammt, gedreht wurde.</p>

<p>Filme wie Charlie Chaplins "Goldrausch" (1925) und "Moderne Zeiten" (1932), Orson Welles' "Citizen Kane" (1941), Billy Wilders "Manche mögen's heiß" (1959), Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" (1979), Steven Spielbergs "Schindlers Liste" (1993) oder Robert Zemeckis "Forrest Gump" (1994) verbinden die Perfektion der Machart von den besten Hollywood-Produktionen mit dem Aufgreifen aktueller Probleme der Gesellschaft. Solche Filme entstanden trotz des 1922 durch die Filmindustrie verordneten moralischen Codes, der sich auf das Darstellungsverbot von Sexualität, Gewalt und amerikakritischer Tendenzen im Film bezog und auf Drängen der Katholischen Kirche 1934 noch verschärft wurde.</p>

<p>Der amerikanische Film wurde durch viele europäische Talente wie beispielsweise Charlie Chaplin, Ernst Lubtisch, Alfred Hitchcock oder dem Österreicher Billy Wilder mitgeprägt. Europäische Regisseure wählten mit dem Einzug des Tonfilms eine langsamere, überlegte Gangart und schenkten der Bildkomposition mehr Aufmerksamkeit. Kombiniert mit der temporeichen und zerhackten Machart der frühen Hollywoodfilme entstand so ein neues, fließendes Medium.</p>

<p>Charlie Chaplins Film "Der große Diktator", dessen Uraufführung 1940 stattfand, stellte eine Satire auf Adolf Hitler und das nationalsozialistische Regime dar. Am Ende des Films schlüpft Chaplin aus seiner Filmrolle und appelliert als Charlie Chaplin an die Menschen:</p>

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<p>Es tut mir leid, aber ich möchte nun einmal kein Herrscher sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann, den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen; nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des anderen teilhaben und nicht verabscheuen.</p>

<p>Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz für jeden und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein, wir müssen nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet, und Missgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt in Verderben und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns Menschen arbeiten, und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschine. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert.</p>

<p>Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht. Diese Erfindungen haben uns eine Brücke geschlagen von Mensch zu Mensch. Sie erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle eins werden.</p>

<p>Millionen von Menschen können im Augenblick meine Stimme hören, Millionen verzweifelter Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Unschuldige zu quälen und in Ketten zu legen. Allen, die mich jetzt hören, rufe ich zu: Ihr dürft nicht verzagen. Auch das bittere Leid, das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein; ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen und auch ihr Hass. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet: Für die Freiheit ist kein Opfer zu groß.</p>

<p>Soldaten! Vertraut euch nicht Barbaren an, Unmenschen, die euch verachten und denen euer Leben nichts wert ist. Ihr seid für sie nur Sklaven. Ihr habt das zu tun, das zu glauben, das zu fühlen; ihr werdet gedrillt, gefüttert, ihr werdet wie Tiere behandelt und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verirrten Subjekte, diese Maschinenmenschen mit Maschinenköpfen und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter; ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen. Bewahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und hasst nicht. Nur wer nicht geliebt wird, hasst; nur wer nicht geliebt wird. (...)</p>
</blockquote>

<p>Die New York Times schrieb über Chaplins Werk: "Vielleicht der wichtigste Film, der je hervorgebracht wurde." In den USA löste der Film Debatten über den Kriegseintritt der USA aus, manche Medien beschuldigten Charlie Chaplin aber auch der Hetze für den Krieg. Angeblich hatte Adolf Hitler den Film zweimal angefordert, ob er ihn tatsächlich gesehen hat, weiß man bis heute nicht.<br />
Charlie Chaplin selbst sagte später über seine Filmproduktion:</p>

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<p>Hätte ich von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst, ich hätte 'Der große Diktator' nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können.</p>
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<p>Die Zeit von 1930 bis 1950 wird in Hollywood gerne als "Golden Age" bezeichnet.<br />
Nachdem dieses seinen Endpunkt erreicht hatte, wurde versucht die selbstauferlegten Produktionscodes und die entstandene Krise in der Filmbranche durch ein nachträgliches Bewertungssystem in den frühen 1960er Jahren zu ersetzen, in der Hoffnung, dass diese Liberalisierung zu einer Anhebung des kritischen Niveaus führen würde.</p>

<p>Mit dem Ende des "Golden Age" und durch das im Zuge des Kalten Kriegs verstärkte Feindbild Kommunismus begann die Jagd auf Menschen wegen "unamerikanischer Aktivitäten". Die des Kommunismus und der Sympathie für diesen Beschuldigten waren Staatsangestellte, Offiziere, aber auch Schauspieler, Regisseure und Menschen mit jüdischem Glauben. Einer der ersten in Hollywood aufgrund seiner Sympathien zum Kommunismus beschuldigten Akteure war Charlie Chaplin. 1947 wurden die ersten neunzehn in der Filmbranche Tätigen in Hollywood verhört.</p>

<p>Als die "Hollywood Ten" gingen zehn dieser Personen in die Geschichte ein, da sie das Verhör als verfassungswidrig erklärten und ihre Aussage verweigerten. Diese nach dem damaligen republikanischen Senator Joseph McCarthy als <em>McCarthy-Ära</em> bezeichnete Zeit dauerte bis etwa Mitte der 1950er Jahre. Hunderte wurden auf eine "Schwarze Liste" gesetzt und viele weitere aus Hollywood verbannt. Jene Filmschaffenden, die auf der "Schwarzen Liste" standen, hatten keine Chance auf Arbeit - weder in Hollywood noch sonst wo, auch nicht in Europa. Viele gaben dem Druck des Senatsausschusses gegen "unamerikanische Umtriebe", der 1950 von McCarthy gegründet worden war, nach und versuchten ihre Karriere zu retten, indem sie KollegInnen verrieten. Unzählige Karrieren und Leben wurden in Hollywood in den Jahren der <em>McCarthy-Ära</em> zerstört. Der Drehbuchautor des Klassikers "Casablanca", der selbst auf der "Schwarzen Liste" stand, schrieb in einem Brief:</p>

<p>"Wir waren alle Teil der progressiven Bewegung, die während der Präsidentschaft von Franklin Roosevelt florierte, sowohl Parteimitglieder und andere, wie ich, die keine Mitglieder waren, aber mit ihnen aus guten Gründen zusammenarbeiteten, um eine bessere Welt zu machen - und auch bessere Filme. Als Roosevelt starb, übernahmen die reaktionären Elemente das Ruder und begannen die neue Strömung zu demontieren und lancierten den Kalten Krieg. Es war ganz einfach ein Klassenkampf, der Kapitalismus nahm Stellung gegen den Sozialismus, den sie fälschlicherweise Kommunismus nannten, der gar nicht existiert. Da ich gegen den Krieg war, heiß oder kalt, wollten sie uns loswerden. Das war nichts Persönliches, es gab keine böse Absicht. Wir waren gefangen in einer historischen Situation."</p>

<p>Filme wie "Der Strohmann" (1976) von Martin Ritt, "Hollywood on Trial" (1976) von David Helpern, "Schuldig bei Verdacht" (1991) von Irwin Winkler, "The Real American - Joe McCarthy" (2011) von Lutz Hachmeister oder "Good Night and Good Luck" (2005) von George Clooney thematisieren die <em>McCarthy-Ära</em>.</p>

<p>Ende der 1960er Jahre läuteten die Filme "Bonnie und Clyde" von Arthur Penn und "Die Reifeprüfung" von Mike Nichols die Ära des "New Hollywood" ein. Die künstlerisch bedeutendste Phase des amerikanischen Films dauerte bis Ende der 1970er Jahre. Filme, die zu dieser Zeit gedreht wurden, trafen den Zeitgeist und waren durch eine gesellschaftskritische Grundhaltung geprägt. Systemkritische Themen wie der Vietnamkrieg wurden von Protestbewegungen übernommen und in Filme verpackt. Mit Filmen wie beispielsweise der Trilogie "Der Pate" des Italo-Amerikaners Francis Ford Coppola, dem Krimi "Chinatown" des Polen Roman Polanski oder dem Drama "Taxi Driver" des ebenfalls aus Italien stammenden US-Amerikaners Martin Scorsese erlebte die Zeit des "New Hollywood" ihren Höhepunkt.</p>

<p>Mit den 1980er Jahren verlegte sich der Schwerpunkt in der amerikanischen Filmbranche vermehrt auf Filme, die für leichte Unterhaltung, meist mit Spezialeffekten oder Musik unterlegt, sorgten. "Stirb langsam", "Zurück in die Zukunft", "Aliens - Die Rückkehr" oder "Flashdance" sind einige Beispiele für Filme, die in dieser Zeit produziert wurden. Mit den 1990er Jahren endete die Zeit des "New Hollywood".</p>

<p>Dennoch überrascht Hollywood immer wieder mit Filmen, die heikle Themen behandeln, wie beispielsweise "American Beauty" aus dem Jahr 1999.</p>

<p>Der europäische Film widersteht, so gut es geht, der Konkurrenz der amerikanischen Superproduktionen. Die Filmproduktion wird von der Europäischen Union nachdrücklich unterstützt und setzt vor allem auf ihren größten Reichtum, nämlich die Vielfalt der Werke und der RegisseurInnen. Bereits in den 1950er Jahren fanden europäische "Altmeister" wie Robert Bresson, Ingmar Bergman und Luis Buñuel angesichts der Vielzahl an oft stereotypen Hollywoodfilmen, die nach Europa gelangten, die Ausdrucksmöglichkeit für ihr Genie und ihren Stil. Ein halbes Jahrhundert später ist Europa nach wie vor das Zentrum des Autorenfilms, dessen grundlegende Strömung es hervorgebracht hat. Die europäischen Filme unterscheiden sich von den Hollywood-Filmen, wie bereits erwähnt, vor allem in ihrer Vielfalt. Der Filmemacher Bernard Tavernier betont:</p>

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<p>Die meisten großen europäischen Regisseure bringen in ihren Filmen Zweifel zum Ausdruck und hinterfragen die Welt, im Gegensatz zu der eher affirmativen Einstellung der Amerikaner.</p>
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<p>In der Europäischen Union werden jährlich mehr Filme produziert, und seit dem Jahr 2000 ist die Zahl größer als in den USA. In den letzten Jahren verzeichnete der europäische Film zwar ein recht geringes Wachstum, doch die Produktionsbilanz ist ermutigend, und einheimische Filme ziehen mehr ZuschauerInnen an, wenn sie auch nirgendwo über 30 Prozent GesamtzuschauerInnenzahl hinauskommen. Eine kleine Verbesserung brachte der Erfolg von Großproduktionen wie "Les Bronzés 3 - Amis pour la vie" von Patrice Leconte und "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" von Tom Tykwer, die in Europa sehr ansehnliche Ergebnisse eingespielt haben.</p>

<p>Mit dem Jahr 2000 erwachte in der US-amerikanischen Filmindustrie das Interesse an Fantasy-Filmen wieder. Produktionen wie "Herr der Ringe", "Harry Potter" oder "Star Wars" verzeichnen Erfolge in der ganzen Welt. Durch den Einsatz von neuen technischen Möglichkeiten und Effekten werden den ZuschauerInnen im neuen Jahrtausend innovative Filmerlebnisse geboten. Das spiegelt sich einerseits in höheren Produktionskosten, aber auch in höheren BesucherInnenzahlen wieder. Der im Jahr 2009 erschiene Film "Avatar - Aufbruch nach Pandora" ist ein großartiges Beispiel dafür, denn der Regisseur James Cameron zeigte in diesem Film Szenen mit realen SchauspielerInnen, die mit computeranimierten kombiniert gedreht wurden. "Avatar" war der viertteuerste Film, der je gedreht wurde. Doch schon am ersten Wochenende, an dem "Avatar" zu sehen war, spielte der Film beinahe die kompletten Produktionskosten wieder ein und brachte Rekorde an internationalen Einspielergebnissen, die noch kein Film zuvor in so kurzer Zeit erreicht hatte.</p>

<p>Für den europäischen Film ist die Tatsache, dass europäische Produktionen außerhalb des Ursprungslandes oft wenig Anklang finden, bisher problematisch gewesen. Im letzten Jahrzehnt hat sich aber ein wachsendes Interesse an ausländischen Produktionen und Independent-Filmen in den USA gezeigt. Bei den Oscar-Verleihungen war der österreichische Film bis jetzt 112 Mal nominiert und 33 Mal ging die Auszeichnung an österreichische Filmschaffende.</p>

<p>Der Vorreiter der österreichischen Oscar-GewinnerInnen ist Billy Wilder, der insgesamt sieben Mal den begehrten Preis gewann. Vor fünf Jahren ging der Oscar an Stefan Ruzowitzky mit seinem Film "Die Fälscher" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Stefan Ruzowitzky, Maximilian Schell und Christoph Waltz waren bisher die einzigen österreichischen Oscar-Gewinner, die nicht in die USA emigriert waren. Viele der anderen waren aufgrund ihres jüdischen Glaubens während der Nazi-Diktatur gezwungen, Österreich zu verlassen und wanderten in die USA aus. 2010 erhielt der österreichische Schauspieler Christoph Waltz, der auch im Film "Die Fälscher" mitgespielt hatte, den Oscar als "Bester Nebendarsteller" im Film "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino. 2012 bewarb sich der österreichische Filmemacher Karl Markovics um die Nominierung seines Films "Atmen" für die Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" - leider erfolglos.</p>